Im Rehabilitationszentrum für behinderte Kinder in Thuy An bei Hanoi. Foto aus dem Buch (© Roland Schmid).

Monsanto-Tribunal

Pollen, Lizenzen, Gedächtnisverlust

 

In Den Haag trafen sich Fachleute und AktivistInnen aus der ganzen Welt und sammelten grausige Fakten zum US-Konzern Monsanto und seinem Landwirtschaftsmodell.

 

Von Bettina Dyttrich

Sabine Grataloup erzählt von ihrem Sohn. Er kam mit deformierter Luft- und Speiseröhre zur Welt. Heute ist er neun und hat schon fünfzig Operationen hinter sich. Die Französin ist überzeugt, dass sie den Grund für die Behinderung kennt: Auf einem 700 Quadratmeter grossen Landstück spritzte sie Monsantos Unkrautvernichtungsmittel Roundup, als sie schwanger war, es aber noch nicht wusste.

Die Argentinierin María Liz Robledo hat eine Tochter, ebenfalls mit kaputter Luftröhre, die nach der Geburt fast erstickte. In ihrem Dorf lebt ein zweites Kind mit ähnlichen Beschwerden. In Argentinien werden Roundup und andere Mittel mit dem Wirkstoff Glyphosat in riesigen Mengen auf Sojafelder gesprüht, oft mit dem Flugzeug. In der EU sind maximal zwei Kilo Glyphosat pro Hektare zugelassen, in Südamerika sind zehn bis zwölf Kilo normal.

Grataloup und Robledo sind zwei von vielen ZeugInnen am Monsanto-Tribunal, das vergangenes Wochenende im niederländischen Den Haag stattgefunden hat. Zu den OrganisatorInnen gehören die indische Umweltaktivistin Vandana Shiva, die frühere französische Umweltministerin Corinne Lepage und Olivier De Schutter, der ehemalige Uno-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung.

Schon in Vietnam dabei

Die Vorwürfe, die die ZeugInnen dem US-Konzern machen, den das deutsche Chemieunternehmen Bayer kaufen will (siehe WOZ Nr. 38/16), wiegen schwer. Da ist etwa der französische Bauer Paul François. Beim Öffnen eines Tanks atmete er das – inzwischen in der EU nicht mehr zugelassene – Monsanto-Herbizid Lasso ein: elf Tage Gedächtnisverlust, fünf Monate Spital, neun Monate arbeitsunfähig. Farida Akhter aus Bangladesch wirft Monsanto vor, in ihrem Staat Gentechauberginen zu verbreiten – ohne offizielle Zulassung und ohne Landwirte oder Konsumentinnen zu informieren. Der australische Bauer Steve Marsh verlor das Biolabel, weil sein Raps mit Gentechpollen kontaminiert war. In Kanada versuchte Monsanto, den Farmer Percy Schmeiser zu zwingen, Lizenzen zu zahlen für Gentechraps, der sich von selbst auf seinem Land ausgebreitet hatte. Und der US-Anwalt Timothy Litzenburg vertritt Hunderte von LymphdrüsenkrebspatientInnen, die ihre Erkrankung auf Glyphosat zurückführen.

Was sagt der Konzern zu all dem? Mit einem offenen Brief hat er die Teilnahme abgesagt, ohne auf Details einzugehen. Die OrganisatorInnen des «Pseudotribunals» (O-Ton Monsanto) meinen es allerdings ernst: Sie haben professionelle Anwältinnen und Richter eingeladen, die die Vorwürfe bis Dezember prüfen und sich dabei auf internationales Recht stützen. Bewusst findet das Tribunal in Den Haag statt, dem Sitz des Internationalen Strafgerichtshofs, der für sogenannte Völkerrechtsverbrechen wie Genozid und Kriegsverbrechen zuständig ist. Denn die AktivistInnen wollen ein neues Völkerrechtsverbrechen definieren: Ökozid, die Zerstörung der menschlichen Lebensgrundlagen.

Das Wort ist nicht neu. Arthur Galston, Botaniker an der Yale-Universität, verwendete es schon 1970, alarmiert vom Vietnamkrieg. Damit sich ihre GegnerInnen nicht verstecken konnten, besprühte die US-Armee vietnamesische Wälder mit dem hochgiftigen Entlaubungsmittel Agent Orange, hergestellt von Monsanto, Bayer und anderen Chemiefirmen.

Hartnäckige Geister

Die Juristin und Tribunalmitorganisatorin Valérie Cabanes sagt, Monsanto erfülle den Tatbestand des Ökozids mehrfach: nicht nur mit den Giften, die der Konzern vertreibe, sondern auch, «weil er den Genpool einengt und so die biologische Vielfalt gefährdet». Unter den ZeugInnen des Tribunals zeigen wohl Feliciano Ucan Poot und Angelica El Canche aus Mexiko am deutlichsten, wie vielschichtig Ökozid sein kann. Die beiden leben vom Biohonig, der auch nach Europa exportiert wird. Doch seit sich Gentechmais und -soja in Mexiko ausbreiten, kämpfen sie mit Verunreinigungen. Gleichzeitig fallen immer mehr Bienen Pestiziden und Monokulturen zum Opfer, das Gift landet im Wasser und macht die Menschen krank.

«Wie viel Evidenz brauchen wir eigentlich noch?» Hans Rudolf Herren ist hörbar genervt. Der Schweizer Insektenforscher, der mit Biovision den Biolandbau in Afrika fördert, gehört ebenfalls zu den MitorganisatorInnen des Tribunals: «Wir brauchen nichts, was Monsanto, Syngenta, Bayer verkaufen. Es hilft nicht, die Ernährung zu sichern.»

Herren ist Wissenschaftler wie viele andere, die nach Den Haag gekommen sind. Doch Monsanto – Stichwort #RootedinScience – versucht immer noch, seine KritikerInnen als unwissenschaftliche EsoterikerInnen hinzustellen. Das Tribunal sei «von einer Vielzahl von Biolobbys» organisiert, «die jede Innovation in der Landwirtschaft seit dem Pflug bekämpfen». Monsanto selbst wird von seinen alten «Innovationen» wie von hartnäckigen Geistern verfolgt: Es gelte, endlich aufzuräumen mit dem Mythos, der Konzern habe Agent Orange erfunden, heisst es auf der Website. Das Gift sei «eine Kombination von zwei im Handel erhältlichen Herbiziden, die vor dem Vietnamkrieg jahrzehntelang benutzt wurden.» Klingt das nicht enorm beruhigend?

 

(© Die Wochenzeitung Nr. 42 / 2016; 20.10.2016)

 

 

Wenig hilfreiches Kesseltreiben

Von Sergio Aiolfi (ai)

Unter Umweltschützern gilt Monsanto als das meistgehasste Unternehmen der Welt. Ist der Agrokonzern aber auch noch als kriminelle Organisation einzustufen? In Den Haag hat am Freitag ein dreitägiges «Tribunal» begonnen, bei dem es darum geht, das Unternehmen möglichst vieler Untaten zu bezichtigen. Die Veranstalter, eine Reihe von Organisationen aus der Zivilgesellschaft, wollen «aufdecken», dass Monsanto Menschenrechte verletzt und dem Ökosystem irreparable Schäden zufügt. Von einem Tribunal im Sinne eines Gerichts kann indessen keine Rede sein: Es treten nur Zeugen der Anklage auf, der Beschuldigte, Monsanto, ist nicht präsent (obschon man ihn «dringend ermutigt» hat teilzunehmen), und er wird auch nicht durch einen Verteidiger vertreten. Als Richter amten fünf honorable Juristen, die, wie es heisst, ein unabhängiges Urteil fällen werden. Betrachtet man die Anordnung des Prozesses, ist es allerdings unwahrscheinlich, dass am Ende etwas anderes als ein Schuldspruch herauskommen wird. Das Ganze ist ein als Gerichtsverfahren maskierter Schauprozess.

Am Pranger steht auch nicht nur Monsanto, sondern die gesamte industrielle Landwirtschaft, die man als Ursache aller Arten von Übeln sieht. Die Liste der Anschuldigungen ist lang, wie einem Tribunal-Flyer zu entnehmen ist. Pflanzenschutzmittel und Saatgut der modernen Agro-Technologie sind nicht nur für Umwelt-Verpestung und den Verlust biologischer Vielfalt verantwortlich. Sie sind auch Grund für die Erderwärmung sowie für die Abnahme der Bodenfruchtbarkeit und der Grundwasserreserven, und sie haben zur Verdrängung von Millionen von Kleinbauern geführt. Die Pflanzenschutzprodukte von Monsanto, so ist weiter zu lesen, hätten zum Tod Tausender von Menschen geführt. Angesichts einer solchen Anhäufung angeblicher Verbrechen erstaunt es nicht, dass das Tribunal dafür plädiert, den «Ökozid», die auf Umweltzerstörung zurückzuführende Ausrottung ganzer Völker, zu einem Tatbestand des internationalen Strafrechts zu erklären.

Besonders im Visier haben die Kritiker in Den Haag das Monsanto-Produkt Glyphosat, ein Herbizid, das, so heisst es, im «Mittelpunkt des grössten Gesundheits- und Umweltskandals der modernen Geschichte» steht. Glyphosat ist in der Tat umstritten; die um das Produkt geführte öffentliche Debatte zeigt aber auch, wie schwierig es ist, agrotechnische Neuerungen klar zu beurteilen. Man nähert sich der Wahrheit schrittweise. Während etwa die internationale Agentur für Krebsforschung der WHO 2015 zum Schluss kam, Glyphosat sei «wahrscheinlich krebserregend», vertrat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit wenig später die Meinung, das Produkt sei «wahrscheinlich weder erbgutschädigend noch krebserzeugend». Diesem zweiten Verdikt hat sich auch das Bundesamt für Landwirtschaft angeschlossen. Angesichts einer so unsicheren Faktenlage ist es wenig hilfreich, wenn ein selbsternanntes Tribunal ein Kesseltreiben gegen jede Art industrieller Landwirtschaft veranstaltet. Die Welt steht vor grossen ernährungspolitischen Herausforderungen. Zu deren Bewältigung braucht es Leute, die offen sind für neue Technologien, nicht Maschinenstürmer.

(© Neue Zürcher Zeitung,15.10.2016)

 

Bayer und das Misstrauen der Welt

Aus «DIE ZEIT»: Der Vorzeigekonzern kauft eines der umstrittensten Unternehmen des Planeten. Nun macht sich Skepsis breit. Kann die Übernahme noch scheitern? (Hier weiterlesen).

 

Film

Lighter Than Orange - Die Hinterlassenschaft von Dioxin in Vietnam

 

Der Dok-Film LIGHTER THAN ORANGE zeigt die Folgen politischen Versagens anhand von Erzählungen von Opfern. Zehn nordvietnamesische Veteranen erzählen von ihren Erinnerungen an den Krieg und von den schwerwiegenden Folgen von Agent Orange. Da sie während des Vietnamkriegs dem dioxinhaltigen Entlaubungsmittel Agent Orange ausgesetzt waren, veränderte sich die DNA der Veteranen. Diese Veränderungen des Erbgutes sind der Grund für die unheilbaren Krankheiten und Fehlstellungen, an denen ihre Kinder immer noch leiden. Die Überlebensopfer von Agent Orange werden heute auf mehr als drei Millionen geschätzt. Die USA setzten Agent Orange im Vietnamkrieg (1955-1975) zur Entlaubung von Wäldern und zum Zerstören von Nutzpflanzen ein, um der feindlichen Guerillabewegung FNL ("Vietcong") die Tarnung durch den dichten Dschungel zu erschweren und deren Nahrungsversorgung zu stören. Es wurde von Flugzeugen oder Hubschraubern aus großflächig versprüht. (Quelle: Filmteam von Lighter than Orange).

Buchtipp

Der amerikanische Krieg – Erinnerungskultur in Vietnam

Wie verarbeitete und verarbeitet Vietnam die Tragödie des letzten Krieges, der 1975 endete? Der deutsche Historiker Andreas Margara macht sich in diesem spannenden Buch auf zu einer «Erinnerungsreise». Er besucht Denkmäler, Kriegsschauplätze, Museen und erzählt deren Geschichte und berichtet von Menschen, die dahinter stecken. Bis hin zum kleinen Dorf My Lai, wo ein US-Leutnant mit seiner Kompagnie fast alle Einwohner – samt Frauen , Greisen und Kindern – grundlos tötete, Frauen vergewaltigte, Häuser anzündete. Das Besondere an diesem Buch: Es beleuchtet nicht wie üblich die amerikanische Sicht, sondern jene  des vietnamesischen Volkes. So gesehen ist das Buch ein wertvoller Beitrag zur umfassenden Geschichtsschreibung über diesen sinnlosen Krieg. (pj)

 

Andreas Margara, Der amerikanische Krieg – Erinnerungskultur in Vietnam, regiospectra-Verlag, Berlin 2012, www.regiospectra.com

 

USA verschweigen die grosse Lüge

und färben den Vietnamkrieg schön

Der Tag rückt näher, an dem vor 50 Jahren der Vietnamkrieg begann. Mit einer landesweiten Kampagne unter dem Titel "Commemoration of Vietnam War" will die US-Regierung an dieses Ereignis erinnern. Das ehrende Gedenken (commemoration) gilt aber allein den US Soldaten. Die Opfer in Vietnam und die Leiden der am Krieg Beteiligten bleiben ohne ehrende Erinnerung. Ja, sie kommen nicht einmal vor. Jetzt fordern amerikanische Kriegsveteranen eine wahrheitsgetreue und ehrliche Beschreibung dieses Krieges.

 

Von Stefan Kühner

Stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Freundschaftsgesellschaft Vietnam

 

Der Vietnamkrieg begann mit einer Lüge

Am 7. August 1964 stimmten der US-Senat und das Repräsentantenhaus über eine Resolution ab, die den damaligen Präsidenten Lyndon B. Johnson ermächtigte, mit militärischer Gewalt gegen die Demokratische Republik Vietnam (DRV) vorzugehen. Es war der offizielle Beginn eines der fürchterlichsten Kriege des letzten Jahrhunderts. Vorausgegangen war eine Lüge: Angeblich hatten nordvietnamesische Boote den US-Zerstörer Maddox angegriffen. Doch auch 50 Jahre danach bezeichnen die offiziellen USA diese Lüge nicht als Lüge. Wer denkt, dass mit Gedenken an diesen Krieg eine Selbstkritik mitschwingen würde oder gar so etwas wie Bitten um Verzeihung gegenüber den Opfern in Vietnam, wird bitter enttäuscht. Die Lüge vom frei erfundenen Angriff auf die Maddox wird weiter verbreitet und auch sämtliche Legende der US-Administration wird weiter gepflegt.

 

Kriegsverherrlichung

Unter dem Namen "Ehrendes Gedenken an den Vietnamkrieg" startet die US-Regierung eine riesige Kampagne, um diesen Krieg zu verherrlichen. Das Verteidigungsministerium wurde beauftragt, ein Programm zur ehrenden Erinnerung an den Vietnam-Krieg durchzuführen und dabei alle Aktivitäten staatlicher Institutionen, lokaler Regierungen und anderer Organisationen und Einzelpersonen zu koordinieren. Als Ziel für das Programm wird vorgegeben:

 

1. Den Veteranen des Vietnamkriegs einschliesslich der Kriegsgefangenen und den Personen, die in Vietnam vermisst wurden, Dank zu sagen und ihnen Ehre zu zollen für ihren Einsatz und ihr Opfer für die Vereinigten Staaten. Dies gilt auch für die Familien dieser Veteranen.

 

2. Den Einsatz der bewaffneten Einheiten während des Vietnamkrieges hervorzuheben, einschliesslich der Beiträge der staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen, die direkt oder indirekt die Streitkräfte unterstützt haben.

 

3. Den Organisationen des amerikanischen Volkes Dank zu sagen, die an der Heimatfront des Vietnamkrieges ihre Unterstützung geleistet haben.

 

4. Die technologischen, wissenschaftlichen und medizinischen Fortschritte hervorzuheben, die für die militärische Forschung während des Vietnamkrieges geleistet wurden.

 

5. Die Beiträge und Opfer anzuerkennen, die von den Alliierten der USA erbracht wurden. 

 

13 Jahre Kriegspropaganda geplant

Das Projekt "Commemoration of Vietnam War" ist nicht einfach ein Strohfeuer, das 2014 mal angezündet wird. Nein, das Pentagon startete damit ein Programm, das 13 Jahre dauern soll und die komplette Geschichte dieses grauenhaften Krieges wiederaufführt. Dieses Mal aber ohne lästige Reporter und Fotografen wie Ronald Ridenhour, Ron Haeberle oder Seymour Hersh, die das Massaker von My Lai in die Welt trugen. Und ohne Nick Ut, der das Foto des Napalm verbrannten Mädchens Kim Phuc schoss (Bild unten aus unserem ersten Buch). 

Wie die 15 Jahre "ehrenvolle Erinnerung" laufen wird, lässt eine umfangreiche Homepage schon jetzt erahnen. Aufgemacht wie ein Tagebuch beschreiben etwa 250 kurze Texte Ereignisse in der Jahre 1945 bis 1975. [1] Ein grosser Teil der Einträge widmet sich mit warmen Worten US-Soldaten und den ihnen umgehängten Verdienstorden. Die Kaltschnäuzigkeit, mit der dagegen die Opfer behandelt werden, kann man in Einträgen vom 4. Mai 1970 nachlesen. An diesem Tag wurden auf dem Gelände der Kent State University sechs Friedensdemonstranten erschossen. Diese Toten werden nicht mit Namen genannt. Oder der Eintrag vom 16. März 1968. Es ist der Tag des Massakers von My Lai. Hier vermerkt die ganze vier Zeilen lange "ehrenwerte Chronik" lapidar, dass bis zu 500 Zivilisten getötet worden seien. Ein letztes Beispiel. 18.12.1972. An diesem Tag beschloss die US-Regierung die Weihnachtsbombardements auf Hanoi. Originaltext: "Die Entscheidung der Delegation Nordvietnams, die Pariser Friedensverhandlungen (vorübergehend, Red.) zu verlassen, beantwortete Präsident Nixon noch am selben Tag mit einer Serie verheerender Luftangriffe auf Nordvietnam." Punkt Ende. Es waren die so genannten Weihnachtsangriffe. Die Bombardements dauerten 1972 vom 18.12. bis zum 31.12. – Tag und Nacht rund um die Uhr, 24 Stunden lang. Am Weihnachtstag wurde pietätvoll eine kleine Pause eingelegt. Die Buchhalter des Schreckens im Pentagon registrierten rund tausend Einsätze mit 193 Flugzeugen, etwa 100 000 abgeworfene Bomben, 21000 Tonnen Sprengstoff. Die Zahl der toten Zivilisten nannten sie nicht.

 

Was das Pentagon mit dieser Kampagne will, liegt auf der Hand: Die Schrecken des Krieges werden wegretuschiert. Die Opfer der Kriegshandlungen ebenfalls und ebenso die Wunden und auch der Tod, den die eigenen "heroischen" Soldaten erleiden müssen. Denn neue Kampfeinsätze stehen bevor. So wie auch die Zeit nach dem Vietnamkrieg nur die Zeit vor dem Irakkrieg war und weiteren Militäreinsätzen in Afghanistan, im Sudan, in Lybien.

 

Widerstand der "US-Veteranen für den Frieden"

Die amerikanischen Veteranen für den Frieden konterten allerdings rasch. Sie starteten eine Gegenkampagne. Ihr Aufmacher: "Volle Offenlegung der Ereignisse in Vietnam". [2] Im Aufruf für ihre Kampagne heisst es: Statt eine ehrliche Auseinandersetzung mit den bitteren Lektionen zu beginnen, die die USA in Vietnam lernen musste, rechtfertigt das US-Verteidigungsministerium diesen Krieg ohne die fürchterlichen Zerstörungen und Verwüstungen zu nennen, die Vietnam und seiner Bevölkerung zugefügt wurden. Es werden nicht einmal die Auswirkungen genannt, die auch amerikanische Soldaten und ihre Familien bis heute treffen. Kein Wort zu den psychischen und physischen Schäden und Krankheiten. Keine Hinweise auf die bis heute andauernden Geburtsschäden der Nachgeborenen. Es gibt keine Erwähnung der Millionen Menschen, vor allem von Frauen und Kindern, die entführt, gefoltert und getötet wurden. Es gibt keine Hinweise auf mutige amerikanische Soldaten, die in Vietnam Widerstand leisteten. Das US-Verteidigungsministerium würdigt ausserdem in keiner Weise die Nachkriegsaktivitäten zu Versöhnung vieler ehemaliger Soldaten, die in Vietnam waren. Die Veteranen für Frieden setzen den offiziellen Zielen ihre eigene Botschaft entgegen: "Unser Ziel ist eine wahrheitsgetreue und ehrliche Beschreibung dieses Krieges". Sie planen dazu Aktionen am Jahrestag des angeblichen Tonkin-"Zwischenfalls" sowie der Verabschiedung der Tonkin-Resolution. In Kunst- und Foto-Ausstellungen soll an den Krieg erinnert und vor den Folgen moderner Kriegsführung gewarnt werden. In Veranstaltungen und Foren soll insbesondere an die chemische Kriegsführung (Agent Orange), die Angriffe gegen die Zivilbevölkerung und den Irrsinn einer automatischen Technologie-Kriegsführung aufgeklärt werden.

 

Auf ihrer Homepage [3] rufen die Veteranen dazu auf, die Kampagne aus dem Pentagon zum Anlass zu nehmen "und zu erzählen, was in Vietnam in diesen tragischen Jahren wirklich passiert ist. Lasst uns die Lehren aus diesen Geschehnissen ziehen und dazu beitragen dass sich Amerikas Politik ändert und eine bessere Gestalt annimmt für uns und andere Nationen."

 

Der amerikanische Buchautor, Journalist und Historiker Nick Turse* unterstützt diese Argumentation. Er nennt in einem Beitrag in der Asia Times vom 19.2.2014 die Kampagne frei übersetzt "Erinnerung mit dem Fleischermesser" (A butchered memory of war) [4].

* Nick Turse hat über das Massaker von My Lai und andere Kriegsverbrechen in Vietnam promoviert, die das US-Militär beging. Seine Arbeit ist als Buch erschienen unter dem Titel "Kill Anything That Moves" (Töte alles was sich bewegt). Nick Turse; Kill everything that moves; Picador; Reprint edition; Dez. 2013; ISBN 978-1-250-04506-5

 

Quellen:

[1]

[2] 

[3]

[4] 

Senfgas, Sarin, Agent Orange:

100 Jahre Giftgas-Tradition bei BAYER

1988: Giftgasangriff auf die kurdischen Stadt Halabja

(der keinen Zusammenhang mit Bayer hat).  Foto-Quelle  

Die in Syrien gelagerten Giftgase, darunter Sarin, Senfgas und VX, wurden größtenteils in den Laboren der BAYER AG entwickelt. Anlässlich der aktuellen Diskussion um Lieferungen an das syrische Regime veröffentlichen wir ein Dossier über die 100-jährige Giftgas-Geschichte des Konzerns. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert, alle Exporteure von chemiewaffenfähigen Stoffen offen zu legen.

Von Redaktion CBG Network – Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V. 

 

Senfgas und Phosgen

Kurz nach Beginn des 1. Weltkriegs wurde auf Vorschlag des Kriegsministeriums eine Kommission ins Leben gerufen, die sich mit der Nutzung giftiger Abfallstoffe der Chemie-Industrie beschäftigte. Diese unterstand dem BAYER-Generaldirektor Carl Duisberg, Fritz Haber vom Kaiser-Wilhelm-Institut sowie dem Chemiker Walter Nernst. Die Kommission empfahl der Heeresleitung zunächst die Nutzung von Chlorgas, wobei wissentlich gegen die Haager Landkriegsordnung verstoßen wurde, die den militärischen Einsatz von Giftgas seit 1907 verbietet.

Carl Duisberg war bei den ersten Giftgasversuchen auf dem Truppenübungsplatz in Köln-Wahn persönlich anwesend und pries den chemischen Tod begeistert: „Die Gegner merken gar nicht, wenn Gelände damit bespritzt ist, in welcher Gefahr sie sich befinden und bleiben ruhig liegen, bis die Folgen eintreten.“ In Leverkusen wurde sogar eine Schule für den Gaskrieg eingerichtet. Der erste Einsatz von Chlorgas durch das deutsche Heer erfolgte schließlich im belgischen Ypern. Allein bei diesem Angriff gab es schätzungsweise 2.000 bis 3.000 Tote und ein mehrfaches an Schwerverletzten.

Unter Carl Duisbergs Leitung wurden bei BAYER immer giftigere Kampfstoffe entwickelt, zunächst Phosgen und später Senfgas. Duisberg forderte vehement deren Einsatz: „Ich kann deshalb nur noch einmal dringend empfehlen, die Gelegenheit dieses Krieges nicht vorübergehen zu lassen, ohne auch die Hexa-Granate zu prüfen“, so Duisberg wörtlich. Insgesamt geht die Forschung von 60.000 Toten des von Deutschland begonnenen Gaskrieges aus.

Sarin und Tabun

Die nächste Generation von Giftgasen, Stoffe wie Sarin und Tabun, gehört zur Gruppe der Organophosphate. Sie entstammt ebenfalls den Laboren von BAYER. Entwickelt wurden die Substanzen 1936 bzw. 1938 in Wuppertal von Dr. Gerhard Schrader (das „S“ in Sarin steht für Schrader). Bis Kriegsende wurden in der Giftgas-Fabrik in Dyhernfurt rund 12.000 Tonnen Tabun produziert. Gerhard Schrader leitete nach dem 2. Weltkrieg die Pestizid-Abteilung von BAYER.

Nach dem Ende des Dritten Reiches unternahmen die Alliierten nichts, um die Wissenschaftler einer Strafe zuzuführen. Sie versuchten vielmehr, von ihrem gefährlichen Wissen zu profitieren. Die Militärs zogen dafür die ganze Wissenschaftselite auf Schloss Kransberg im Taunus zusammen. Schrader, Heinrich Hörlein und die übrigen Kollegen von der Dyhernfurther Chemiewaffen-Fabrik, deren Unterlagen später auch sowjetische Wehrwissenschaftler systematisch auswerteten, stellten dabei das größte Kontingent.

„Die chemischen Nervenkampfstoffe stießen bei den Engländern und Amerikanern auf größtes Interesse, Vergleichbares besaßen sie in ihren Arsenalen nicht. Schrader und Konsorten mussten deshalb in Kransberg bis in die kleinsten Details Aufzeichnungen über die Synthese ihrer Ultragifte anfertigen“, schreiben Egmont R. Koch und Michael Wech in ihrem Buch „Deckname Artischocke“.

Schrader war den US-Experten sogar so wertvoll, dass sie ihn mit in die Vereinigten Staaten nahmen. In Diensten des „Chemical Corps“ der US-Streitkräfte tat er dann genau das, was er während der NS-Zeit auch gemacht hat.

VX-Kampfstoffe

In den 50er Jahren kehrte Schrader nach Deutschland und zu BAYER zurück. Seine Vergangenheit stellte für den Chemie-Multi kein Hindernis für eine Wiedereinstellung dar. Und erneut arbeitete Schrader auch an Kampfstoffen: Zusammen mit den BAYER-Forschern Ernst Schegk und Hanshelmut Schlör reichte er 1957 (zwei Jahre später auch in den USA) Patente zur Herstellung von Phosphorsäureester-Insektiziden ein.

Diese sollten gegen Fliegen, Milben und Blattläuse eingesetzt werden. In seinem Artikel „Die Entwicklung neuer Phosphorsäureester“ führte Schrader aus, wie man aus der allgemeinen Formel Stoffe mit hoher „Warmblüter-Toxizität“ gewinnen kann, die diejenige von Sarin oder Tabun weit übersteigt.

Die von der US-Armee hergestellten Kampfstoffe VX, VE, VM, VS und 33SN basieren zum Teil auf diesen Patenten. Zwar bestritt BAYER, nach diesen Formeln selber Chemie-Waffen hergestellt oder das Recht dazu dem US-Militär gegen Lizenz-Gebühren abgetreten zu haben.

Wie es dennoch zur Produktion von VX-Waffen kommen konnte, erklärte der damalige Unternehmenssprecher Jürgen von Einem mit einem Ausnahme-Passus im US-amerikanischen Patent-Recht. Wenn ein übergeordnetes Interesse bestehe, erlaube es den zwangsweisen Zugriff auf das geistige Eigentum Dritter, ohne diese zu informieren und zu entschädigen. Ob dies der Realität entspricht oder ob es eine formale Zusammenarbeit der US-Armee mit BAYER gab, ist bis heute unklar.

Agent Orange

Auch an der Herstellung des im Vietnam-Kriegs eingesetzten Entlaubungsmittels Agent Orange war BAYER beteiligt. Die Produktion des Giftstoffs erfolgte unter anderem bei der gemeinsamen BAYER/MONSANTO-Tochterfirma MoBay. Der genaue Lieferumfang von MoBay liegt jedoch im Dunkeln.

Agent Orange besteht aus den Wirkstoffen 2,4-D und 2,4,5-D, die herstellungsbedingt auch Dioxin enthielten. BAYER produzierte in der fraglichen Zeit jährlich 700 bis 800 Tonnen 2,4,5-D und verkaufte einen Teil der Produktion an die französische Firma PRODIL. Diese wiederum verarbeitete die Chemikalie weiter und lieferte sie nach Vietnam. Ein Akten-Notiz der der Boehringer AG, die ebenfalls mit PRODIL Geschäfte machte, belegt dies: „BAYER und PRODIL haben auf dem 2,4,5-D-Sektor seit Jahren (Vietnam) zusammengearbeitet“.

Das 2,4,5-D, von dem das Pentagon 1967 und 1968 in den USA alle Bestände aufkaufte, fand zusätzlich noch im Reinzustand Verwendung. AGENT GREEN lautete seine Bezeichnung. Der für eine Organisation AGENT ORANGE-geschädigter Vietnam-Veteranen arbeitende Martin H. Kroll nennt in seiner Aufstellung der 58 im Krieg eingesetzten Chemikalien unter AGENT GREEN deshalb auch BAYER als Hersteller.

Experten von BAYER und HOECHST standen der US-Army aber auch direkt vor Ort mit Rat und Tat zur Seite, wie Seymour M. Hersh in seinem Buch „Chemical and Biological Warfare“ mit Berufung auf einen Artikel der Eastern World schreibt. Als medizinische Helfer getarnt, arbeiteten sie dem US-amerikanischen Planungsbüro für B- und C-Waffeneinsätze in Saigon zu.

Die transatlantische Kooperation konnte sich dabei auf alte Verbindungen stützen: Die Abstimmung zwischen den US-amerikanischen und bundesdeutschen Chemie-Firmen übernahm die ehemalige IG FARBEN-Tochter GENERAL ANILINE AND FILM CORPORATION. Der Zeitung zufolge stellte BAYER überdies in Spanien und Südafrika selbst chemische Kampfstoffe her – die autoritären Regierungsformen beider Länder dürften bei der Standort-Wahl für ein so heikles Unternehmen wohl eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben.

Kriege in Nahost

Der Irak bekämpfte 1987/88 aufständische Kurden mit Tabun, Sarin und S-Lost. Dieselben Substanzen verwendete das Land im Krieg gegen den Iran als Waffen.

Der Iran seinerseits begann in den achtziger Jahren mit Planungen zu einem großen Chemie-Komplex mit angeschlossener Pestizid-Produktion nahe der Stadt Ghaswin – an das Anwendungsgebiet „Landwirtschaft“ haben die Politiker in den Kriegszeiten kaum vorrangig gedacht. 1984 verkaufte BAYER dem Iran Lizenzen zur Fertigung von Azinphos-Methyl und Fenitrothion, einer chemiewaffen-fähigen Substanz aus der berühmt-berüchtigten Gruppe der Phosphorsäureester.

Die Aufsichtbehörden genehmigten den Deal, rieten dem Konzern aber von weiteren Geschäften im Zusammenhang mit Ghaswin ab. Der Leverkusener Chemie-Multi hielt sich nicht daran. Ab 1987 lieferte er eine Anlage zur Pestizid-Produktion in den Iran. Für alle Bauten konnte der für die technische Koordination in Ghaswin zuständige LURCHI-Konzern Genehmigungen vorlegen, nur für die BAYER-Fabrik nicht – aus gutem Grund. „‚Das Endprodukt‘ könnte ‚auch zur Bekämpfung von Warmblütern‘ eingesetzt werden und ‚damit als Kampfgas dienen‘“, zitierte der SPIEGEL aus einem Schreiben der Kölner Oberfinanz-Direktion.

Die Behörden leiteten aus diesem Grund Ermittlungen ein. Ende 1989 führten Fahnder Razzien in den Dormagener, Leverkusener und Monheimer BAYER-Niederlassungen durch und stellten drei Dutzend Ordner mit Konstruktionsplänen sicher. Der Staatsanwalt stellte das Verfahren später ein – wie so viele mit BAYER auf der Anklagebank.

 

Quelle

 

Agent Orange

hat auch noch in Friedenszeiten sein Gift verbreitet

Eine neue Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Environmental Research zeigt, dass die Angehörigen der US Air Force, die damals Agent Orange versprühten,  höheren Dosen der giftigen Chemikalie ausgesetzt waren, als bisher angenommen (oder zugegeben) wurde. Viele der Flugzeuge, die das Gift versprühten, wurden nach dem Krieg  zwischen1971 und 1982 weiter als Transporter eingesetzt. Viele Jahre später durchgeführte Tests zeigten, dass die Flugzeuge noch immer gefährlich hohe Dosen des Pflanzenvernichtungsmittels aufwiesen.   Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Werte in den Flugzeugen selbst nach den Kriterien der Luftwaffe der USA und des US-Amtes für Kriegsveteranen inakzeptabel sind. (Bild: Motherboard).

 

Hier finden Sie den ganzen Beitrag

"Es muss endlich Gerechtigkeit für diese Opfer geben"

Seit über 40  Jahren setzt sich die vietnamesische Ärztin Dr. Nguyen Thi Ngoc  Phuong unermüdlich für die Opfer der Agent Orange-Sprühaktionen ein. Dieses Jahr wird sie 70 Jahre alt. Sie berichtete  in der ganzen Welt über die Leiden der Agent Orange-Opfer. Sie ist  die Frau, die die USA aufforderte, klar erkennbare Hilfe für die Opfer zu leisten.“ schrieb VIETNAMNET Bridge.

 

Schockiert und traurig
1968 bemerkte sie als junge Geburtshelferin in Ho Chi Minh Stadt seltsame Veränderungen bei Neugeborenen. "Es war schrecklich“ erinnert sich Frau Dr. Phuong an diese Zeit im Tu Du Krankenhaus. "Jeden Tag hatten wir zwei, drei oder gar vier Fälle von  Kindern mit Missbildungen. Kinder ohne Augen, ohne Nase und Kinder mit einer Kiefer-Gaumen-Spalte.”
 
Sie war darüber zutiefst schockiert und traurig. Es dauerte aber bis 1975 und bis zum Ende des Krieges in Vietnam bis sie erkannte, dass zwischen den Missbildungen und dem Krieg ein enger Zusammenhang bestand.
 
Sie beschloss, der Sache auf den Grund zu gehen und machte sie zu Ihrer Lebensaufgabe. Sie fand heraus, dass der Prozentsatz der Missbildungen und anderen Gesundheitsschäden bei Neugeborenen von Eltern, die mit Agent Orange besprüht worden waren, viel höher war, als von  Eltern, die nie mit diesem Gift in Berührung kamen.

 

Nguyen Thi Ngoc Phuong entdeckte in der Muttermilch von besprühten Müttern ein extrem hoher Dioxinanteil. Um ihre Vermutung vom Zusammenhang der Geburtsfehler und Agent Orange zu untermauern, führte sie 1982 eine Studie in tausend Familien in der Provinz Ben Tre, sowie weiteren Städten und Landkreisen im Mekong-Delta durch. Die Untersuchung ergab, dass die Missbildungsrate Neugeborener in den mit Agent Orange besprühten Gebieten etwa. drei bis viermal so hoch war, wie in den nicht besprühten Regionen.
 
Keine Ruhe auch im Ruhestand
Obwohl Frau Dr. Phuong heute schon lange im Ruhestand ist, findet man sie noch fast jeden Tag im Tu Du-Krankenhaus. Sie bildet Krankenschwestern aus. Ausserdem kümmert sie sich um ihr "Netzwerk Geburtshilfe“ um fachgerechte und gute Geburtsmethoden in den ländlichen Gebieten Vietnams zu verbreiten.
 
Das Wissen von Frau Dr. Phuong über Agent Orange und Dioxin nutzen selbst amerikanische Veteranen, die in Vietnam waren. Viele Amerikaner kamen in die Tu Du Klinik und stellten mir ihre Fragen zu Geburtsfehler und Krebserkrankungen, die mit giftigen Chemikalien zusammenhängen, welche über Südvietnam versprüht wurden“ erinnert sich Frau Phuong  
 
Neben zahlreichen Funktionen in medizinischen Fachinstitutionen in Vietnam ist Frau Dr. Phuong 
Mitglied der US-Vietnam Dialogue Group und

Vizepräsidentin der Vereinigung der Opfer von Agent Orange VAVA.  In dieser Funktion erreichte sie es unter anderem, dass 2008 und 2010  das Repräsentantenhaus der USA  Hearings durchführte mit dem Titel “Unsere vergessene Verantwortung. Was können wir  tun, um Agent Orange Opfern zu helfen”. In einem der Hearings erklärte Frau Phuong: "Patienten die an Krebs und anderen Krankheiten leiden, die durch Agent Orange verursacht wurden, sterben Tag für Tag. Und Tag für Tag kommen weitere behinderte Babys zu Welt. Es muss endlich Gerechtigkeit für diese Opfer geben. Es muss Entschädigungen geben für das Leiden, das sie erdulden müssen“.   

 

(Übersetzung aus dem Englischen von Stefan Kühner)
 
Quelle 1

Quelle 2

Foto Vietnamnet

Dioxin-Reinigungsaktion in Da Nang

In der Region der zentralvietnamesischen Stadt Da Nang leben laut der örtlichen Opfervereinigung DAVA gegen 5000 Menschen, die an den Folgen des Agent Orange-Gifteinsatzes leiden. Darunter Kinder in der 3. Generation mit schwersten Behinderungen. Da Nang war der Hauptumlade- und Lagerplatz des dioxinhaltigen Entlaubungsmittels Agent Orange. Die Haupttäter von damals, die USA, sind jetzt während 4 Jahren daran, das Areal des ehemaligen Militärflughafens von Dioxin zu säubern. Dioxin gilt als eine der giftigsten Substanzen überhaupt und wurde im letzten Vietnamkrieg von den USA und ihren Verbündeten als Entlaubungsmittel versprüht, um dem Feind die Deckung in den Wäldern zu verübeln. 

 

Insgesamt werden in diesem riesigen Betonbunker  75 000 Kubikmeter Erde auf 335 Grad erhitzt und so das Gift unschädlich gemacht. Allerdings ist die Aktion nur ein Tropfen auf einen heissen Stein. Bis heute haben sich die USA laut der Opfervereinigung DAVA kaum Relevantes für die vietnamesischen Agent Orange-Betroffenen getan.

 

 

Unser Besuch (9. Dez. 2013) wurde  strengstens überwacht, Interviews durften wir keine aufnehmen. Die Manager der  US-Firma, die das Projekt betreibt, verhielten sich in ihrem Gastland, so als ob ihnen das Territorium gehören würde. Unsere vietnamesischen Freunde haben sich nur noch gewundert. (Foto Peter Jaeggi).